blogeintrag vom 2. Februar 2016 - Kategorie: Muttersein.

zwei Kinder unter zwei Jahren

Ich werde oft gefragt, wie das so ist, mit zwei Kindern unter zwei Jahren. Wirklich sehr oft. Es bewegt offenbar viele Eltern. Hier ein paar meiner Gedanken und Erfahrungen dazu.

Mein erstes Jahr als Mutter war nicht das allereinfachste. Wahrscheinlich wie bei vielen von euch auch. Bei uns spielten sicher viele Faktoren hinein – mein Mann und ich waren immer schon sehr glücklich zusammen, denke ich. Auch ohne Kind. Dann kam der allerdings sehr gewünschte Minijunge und plötzlich standen wir vor der Aufgabe, eine weitere Person in eine kleine und bis dahin zweisame Gemeinschaft zu integrieren, der es eigentlich an nichts zu fehlen schien. Dass ich Kinder wollte stand schon fest, seit ich denken konnte und den passenden Mann dazu hatte ich schließlich schon längere Zeit an meiner Seite. Noch dazu einen mit Kinderwunsch. Nur logisch, dass man dann irgendwann auch konkret mal an ein Baby denkt.

Als der Minijunge dann ankam, war es nicht einfach. Es war sogar ziemlich schwierig. Ich habe das Glück, diese kleinen duftenden Wesen, die eines Tages so wundersam aus dem eigenen Körper hervorkommen, sofort auf Anhieb sehr lieben zu können. Das ist ganz einfach so, ich muss nichts dafür tun, das Gefühl ist einfach da. Ohne Kennenlernzeit, von der mir aber viele andere Mütter erzählen. Daran lag es also nicht, dass ich es schwierig fand. Dennoch war war ich irgendwie verwirrt. Ich zweifelte zunächst an, dass es überhaupt möglich wäre, eine Gemeinschaft zu dritt werden zu können. Natürlich war es das. Aber es hat gedauert. In der Zwischenzeit war es ziemlich nervenaufreibend mit all diesen Zweifeln und den Aufgaben, die (m)eine Mutterschaft mit sich bringt. Der kleine Minijunge fühlte sich oft nicht wohl – mit uns, mit sich, mit seinem Körper. Ihm und uns fehlte Ruhe. Auch heute noch denke ich oft, dass das Leben als Baby nicht so sehr seines war. Er entwickelte sich nicht so wie die andern Kinder, die ich kannte und verhielt sich oft anders. Natürlich gibt es viele Kinder, bei denen das so ist oder bei denen sich die Eltern ähnlich fühlen, wie wir es taten. Aber diese Kinder und Eltern kannte ich ja nicht. Man fühlt sich irgendwie allein damit. Es dauerte also bis wir ankamen im „Familie sein“. Oder wenn ich es ganz ehrlich betrachte – so ganz kamen wir vielleicht nicht an.

Aber irgendwann wurde es einfacher. Unser Kind lernte zu schlafen, was für uns wie für ihn alles veränderte. Binnen weniger Wochen entdeckte er all das, was er bis dato noch nicht wahrnehmen oder erforschen zu wollen schien. Und auch wenn es sicher wahr und richtig ist, dass es meist keine richtigen zeitlichen Vorgaben für die Entwicklung von Babys gibt, so stellten wir eindeutig fest, dass wir ein sehr bewegungsfreudiges und nun auch viel glücklicheres kleines Kind hatten, der ausgeruht sicher schon früher begonnen hätte, die Welt zu erkunden. Ich habe es in diesem Artikel schon einmal erwähnt – die Art und Weise wie unser Kind zunächst gar nicht (weder tags noch nachts – zumindest nicht länger als 20 Minuten am Stück, außer er wurde geschaukelt oder getragen), dann aber ganz viel und alleine ein- und durchschlief hat mich sehr geprägt. So sehr, dass ich sicherlich zu einem anderen Zeitpunkt einmal darüber berichten werde.

Als er dann also schlief wie das sprichwörtliche Baby kamen wir alle drei allmählich zu Ruhe. Und dann war ich wieder schwanger. Jeder, der uns kannte, war wohl ganz schön überrascht. Gerade wir – warum nur so schnell schon? Ich glaube, es sollte so sein. Wir waren auch selbst überrascht – denn so schnell hatten wir nicht damit gerechnet. Aber wir waren sofort glücklich damit. Die Schwangerschaft war ganz anders als die erste; schöner, gesünder – aber auch anstrengender. Alle, die das erste Trimester mit Kleinkind und vielleicht wie ich ohne Tagesbetreuung erlebt haben, können es sich vielleicht vorstellen. „Second Thoughts“ hatte ich so ständig, aber nur augenscheinlich. Ich war müde und die Wochen zogen sich anfangs zäh dahin, aber ich freute mich riesig.

Neben Schwangerschaft und Kleinkind liefen bei uns durch eine eigenartige Verkettung von Ereignissen so viele Projekte gleichzeitig, dass was sich anfangs noch schleichend anfühlte, irgendwann wie im Flug verging. Und dann war sie da – unser kleines Minimädchen. Wir hatten uns überraschen lassen, ob „es“ ein Junge oder Mädchen ist. Eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn es war die größte Überraschung meines Lebens. Mein schwangeres Ich war nämlich überzeugt, erneut einen Jungen auszutragen. Wir waren sehr glücklich mit und über unser Minipärchen. Ich verbrachte zwei Tage (völlig freiwillig) im Krankenhaus, denn es ging mir und der Kleinen prima, aber ich wusste – zu Hause wartete ein Eineinhalbjähriger. Und der wird vielleicht nicht ganz so viel Raum lassen für Kokon, Kuscheln, verzaubert sein. Und so war es auch. Der Kleine nahm seine Schwester zwar rührend und liebevoll auf, aber sein Verhältnis zu mir hatte sich schon verändert, bevor er seine Schwester überhaupt gesehen hatte oder ihre Existenz richtig begriffen hatte. Ich wartete im Krankenhausgang auf ihn – natürlich ohne Baby im Arm, so wie es mir empfohlen wurde. Er lief auf mich zu und kurz bevor er meine ausgebreiteten Arme erreichte, sagte er, was er von da an fast nur noch sagte – tags, nachts im Schlaf, einfach immer. „Nein!“. So war das also. Das kleine Wesen verstand das alles intuitiv. Und seine Einstellung war glasklar: gefällt mir nicht.

Die folgenden Wochen waren nervenaufreibend. Und es brach mir oft mein Mutterherz. Nein, ich bereute nichts. Nie. Ich glaube, früh Geschwister zu haben, ist das beste, was ich für meinen kleinen Sohn tun konnte. Ich glaube außerdem, dass er wahnsinnig gern Bruder ist. Inzwischen. Und ein bisschen auch von Anfang an. Aber man konnte ihm den Schmerz wirklich anmerken. Schmerz darüber, seine Mama nicht mehr für sich zu haben. Der Kleine tat, was ein willensstarkes Kind in dem Alter eben tut – schreien, wüten, hysterisch werden und einfach so gar nicht mehr kooperieren. Eine verfrühte, sehr ausgeprägte „Trotzphase“. Nur, dass er für selbige noch Monate zu jung war. Wir waren überfordert, säuselten auf ihn ein, waren geduldig, nachsichtig – und es wurde schlimmer und schlimmer. Er schrie und tobte, warf, schlug und sagte „nein“. Immer nur “nein”. Ständig und überall. Ich holte mir Rat und wir wurden daraufhin deutlich strenger und ziemlich unnachgiebig. Und wir hörten auf, zu geduldig zu sein. Und binnen weniger Tage veränderte sich fast alles. Wir begannen eine Familie zu werden.

Nicht jedes Kind reagiert so heftig. Nicht jedes Kind benötigt so viel Halt. Das ist es nämlich, was wir ihm endlich geben konnten. Mit der strengeren Erziehung (“Führung” klingt hier irgendwie besser und ist sicher auch zutreffender) gaben wir ihm den notwendigen Halt, um sich in der neuen Realität eines großen Bruders zurecht zu finden. Ich habe versucht, die neue “Erziehung“ zunächst nur in den eigenen vier Wänden zu leben – aber selbst da habe ich sie von befreundeten Müttern manchmal gespürt, den „die-ist-aber-streng-Blick“. Aber der Erfolg eines wieder fröhlichen, albernen Kindes, das kaum noch weinte und viel lachte, gab uns recht. Es ging uns allen viel besser. Allerdings – anstrengend blieb es.

Es begann der Winter. Der erste Kita-Winter für den Minijungen und uns und mit ihm die vielen Infekte, die ihren Weg von der Kita in unser Haus fanden. Direkt nach Ende des Nestschutzes steckte der Minijunge seine Schwester mit einem Atemwegsinfekt an und das kleine Mädchen bekam so mit etwa acht Wochen eine Lungenentzündung. Insgesamt betrachtet hätte ich den Kindern ehrlich gesagt gern einige Dinge erspart. Und mir auch. Allerdings waren es meist nur Kleinigkeiten, die nicht so gut liefen. Aber eben häufig täglich mehrere davon. Im Großen und Ganzen war wohl alles ziemlich gut, auch wenn es sich vielleicht nicht immer so anfühlte.

Kürzlich war ich mit den Kindern fünf Tage und Nächte allein zu Hause. Mein Mann war verreist. Wir sind allerdings umringt von Großeltern und somit von Helfern in der Not. Ich war außerdem voller Optimismus – natürlich würde ich das schaffen und zwar auch ohne Omas und Opas. Ich war überzeugt, ich würde gestärkt und selbstbewusst aus fünf vaterlosen Tagen hervorgehen. Aber das war nicht so. Die eigentlich wenigen Tage, die wir wirklich nur zu dritt verbrachten (also ohne großelterliche Hilfe) waren für mich keine so gute Zeit. Und ich glaube, für die Kinder auch nicht. Mein Minimädchen schläft nachts oft schlecht und tagsüber nur in der Tragehilfe. Ihre allabendlich gegen sechs aufkommende Müdigkeit, mündet – wenn man nicht sofort handelt – ganz schnell in großes Gebrüll. Dann möchte sie sofort ins Bett gebracht werden. Und das bitte ruhig und mit einer ausgedehnten Portion Muttermilch. Wenn ein hopsender zweijähriger dabei ist, der dies überhaupt nicht verstehen kann und will, schläft auch das müdeste Baby nicht ein. Und auch sonst – die Bedürfnisse eines fünf Monate alten Säuglings und eines zweijährigen Wilden waren in dieser Zeit einfach nicht so gut vereinbar. Weinen, brüllen, jammern – eigentlich von morgens bis abends und das leider ja meist auch gezwungenermaßen innerhalb der eigenen vier Wände. Denn es ist ja immer noch Winter. Und aktuell kommt der hier im Norden mit viel Regen, Graupel und böigem Wind daher. An der frischen Luft wären die vaterlosen Tage nämlich vielleicht ganz anders verlaufen.

Ich finde die Zeit mit Zweien unter/um zwei kräftezeherend, fordernd, manchmal überfordernd und meist chaotisch. Ich weiß oft nicht, was wann oder wie zu schaffen sein soll und falle abends müde ins Bett. Aber – diese zwei kleinen Wesen sind so zauberhaft, dass ich mit einem tiefen Glücksgefühl aus den allermeisten Tagen heraus gehe. Und wenn sich das Glücksgefühl nicht abends einstellt, dann zumindest am nächsten Tag wieder. Egal wie müde ich bin. Es ist wunderbar. Die beiden sind wunderbar.

Also würde ich es wohl vielleicht nicht unbedingt weiterempfehlen, so schnell ein zweites Kind zu bekommen… Wegen der nur schwer zu vereinbarenden Bedürfnisse, der Kita-Viren, der Müdigkeit, der „Trotzphase“ des großen Kindes – ach, aus unzähligen Gründen. Aber gleichzeitig ist es die wunderschönste Sache der Welt. Und wir wurden mit und durch das Minimädchen zu einer richtigen Familie. Wir fühlen uns jetzt angekommen, wenn auch manchmal im Chaos. Daher empfehle ich es dann ja vielleicht doch….

2 Antworten auf “Wie das so ist mit zwei Kindern unter zwei Jahren”
  1. Nicole

    Hey Christine,
    wirklich unheimlich schöner und ehrlicher Artikel. Finde ich mal eine sehr gelungene Abwechslung! Euch ein schönes Wochenende, alles Liebe, Nicole

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