blogeintrag vom 15. Januar 2016 - Kategorie: Muttersein.

Schlafen lernen - Wie der Weg zum Durchschlafen meiner Mutterschaft verändert hat

Mein Herz schlägt für alles, was hübsch und dekorativ ist. Kleines und Großes, das die eigene Behausung wohnlicher macht. Schließlich, seien wir ehrlich, halten wir uns viel in unseren vier Wänden auf. Viel mehr als uns vermutlich oft lieb ist. Ich wohne in Hamburg. Ich muss also wissen, wovon ich rede. Nebelgrau und Regen habe ich schließlich schon oft erlebt. Eingehüllt in hübsche, kuschelige Decken erträgt sich das viel leichter, finde ich.

Mein Herz schlägt natürlich auch für meine Kinder. Besonders schnell und laut natürlich. Kinder haben ist manchmal, nein sehr oft, ziemlich anstrengend. Anstrengender als ich mir das vorher je vorgestellt hatte. Aktuell habe ich “zwei unter zwei”. Wundervoll, aber auch kräftezehrend. Es gibt vermutlich viele Wege, mit dem unperfekten (wir kennen es doch alle…), müden, chaotischen aber dennoch wundervollen Leben mit Kindern fertig zu werden. Glücklich fertig zu werden, meine ich. Dabei einen Ausgleich zu haben, finde ich hilfreich. Die einen streifen durch die Natur oder gehen im Morgengrauen joggen oder zum Yoga, die anderen kochen oder lesen, wieder andere nähen oder telefonieren stundenlang mit ihrer Freundin. Manches von diesen Dingen mache ich zwar auch, aber am liebsten gestalte ich mir meine Umgebung schön. Und ja, ich räume auf. Ständig. Ich gebe es zu. Allen meinen Freundinnen, die mich immer wieder fragen, sei gesagt – ja, bei mir ist es immer so aufgeräumt. Auch wenn ihr nicht da seid. Ich gehe auch sehr offen damit um – beiden Kindern habe ich im Alter von circa drei Monaten erklärt, dass Mama morgens erstmal kurz aufräumt. Verzeihung, aufräumen möchte. (Auch ich habe Jesper Juul gelesen.) Und dass auch ihr leises Quengeln oder Jammern mich nicht davon abhalten wird. Natürlich beginne ich erst, nachdem beide satt und gewickelt sind, gekuschelt wurden und ihnen auch sonst nichts zu fehlen scheint. Aber dann räume ich auf. Ich habe mal einen Blogartikel gelesen, in der eine Mutter schilderte, dass sie nicht aufräume. Und oft auch nicht den heruntergefallenen Brei vom Boden aufwische, weil ihr die Zeit mit den Kindern wichtiger sei. Ein Teil von mir wünscht sich genau diese Haltung. Aber genauso, wie ich mir auch wünschte, dass ich es genießen würde, den Tag mit einigen Liegestütz zu beginnen, wird auch sich auch diese Verwandlung bei mir wahrscheinlich nicht einstellen. Und da ich allmählich begreife, dass man eben manches an sich einfach akzeptieren muss, stehe ich eben zu meinem Ordentlichkeitsbedürfnis und fliege morgens flink durch die Räume und sammele auf, sortiere ein und wische weg. Dann atme ich durch und mache mir einen Kaffee. Und dann ist eigentlich alles ganz okay – egal, wie kurz die Nacht war. Und meine Nächte sind oft wirklich kurz. Meine Babys und der Schlaf im ersten Lebensjahr – das läuft jetzt nicht so mega super, ehrlich gesagt. Ich setze mich dann in eines der zwei Kinderzimmer, die ich so liebe, weil ich sie so hübsch finde und wende mich Kind und Bauklotz beziehungsweise Rassel zu und nehme alles so, wie es kommt. Oder versuche, dies zu tun und zwar mit einigermaßener Gelassenheit.
Ich mag meine Umgebung also aufgeräumt und ansprechend gestaltet. Das gilt auch für die Kinderzimmer, die ich und die Kinder (welch Luxus!) erst seit Kurzem und sogar in zweifacher Ausführung bewohnen. Die morgendliche Ordentlichkeit und die hübsch eingerichteten Räume wirken also wohl meditativ auf mich. Und ich glaube, ich habe wirklich ein ganz gutes Gespür für Gestaltung. Daher schreibe ich hier auf diesem Blog darüber. Und dabei wollte ich es belassen. Ich dachte, das spricht ja irgendwie für sich. Da zeigt jemand hübsche Dinge auf hübschen Bildern und einer hübschen Website und da werden sich die Besucher schon einstellen. Solange sie meinen Geschmack teilen und Minijungs zu Hause haben.
Naja, ich bin mir da jetzt nicht mehr so sicher. Ich habe zwar gerade erst angefangen mit diesem Blog, aber natürlich habe ich bisher viel in oder über “Bloggerhausen” (wie es ja genannt wird, habe ich also auch gelernt) gelesen. Und da schreiben Mütter über Persönliches, Politisches, Strittiges und Intimes. Und als Leser folgt man wohl, mit wem man sich identifizieren kann und wer einem Interessantes, Berührendes, Bemerkenswertes erzählt. Und so könnte ich mir vorstellen, dass ihr, bevor ihr euch hoffentlich entscheidet, meine Beiträge zu lesen, vielleicht doch ein bisschen wissen möchtet, wer euch da etwas über Minijungs erzählt und der Meinung ist, eine bunte Welt rund um diese kleinen Wirbelwinde gestalten zu können. Daher schreibe ich zum Beispiel diesen Beitrag. Er offenbart eine bestimmt nicht überall beliebte Persönlichkeitsmarotte (geht in etwa in Richtung “räumt auf statt mit den Kindern zu spielen”), veranschaulicht aber hoffentlich gleichzeitig, was mich ganz persönlich zu diesem Blog motiviert.
Ich glaube, dass Mutterschaft das Glück ist. Die große und bedingungslose Liebe. Aber das Leben als Mutter empfinde ich auch als Herausforderung und häufig auch als Kompromiss, denn man verzichtet auf Dinge. Meist gern. Aber man verzichtet. Die eine spürt den Verzicht hier, die andere da. Aber ich vermute, jede spürt ihn. Und jede hat ihre Art, damit umzugehen. Und ich finde es eben angenehmer, die volle Windel auf einer hübschen Wickelunterlage zu tauschen und darüber ein reizendes Mobilé baumeln zu sehen. Mein “räumt lieber auf statt mit den Kindern zu spielen” zeigt – auf das große Ganze blickend – vielleicht in etwa diese Grundhaltung: Ich weiß, dass ich mit dem Aufgeräume meine Kinder manchmal nerve und langweile, tue es aber dennoch. Für mich.
Ich bin wohl so eine “Mittelmama”. Das ist keine Bewertung meiner Selbst oder mütterlichen Fähigkeiten, sondern meine Grundhaltung. So bemühe ich mich, die Bedürfnisse meiner Kinder zu sehen und innerhalb wohlüberlegter Grenzen auch zu erfüllen, aber auch meine eigenen Wünsche “irgendwie” nicht zu vergessen. Das “irgendwie” klappt an manchen Tagen gut, an manchen nicht so gut.
Mittelmama sein bezieht sich aber nicht allein auf die Bedürfniserfüllung meiner Familienmitglieder. Ich halte es wohl mit vielen Aspekten der Mutterschaft so – ich trage und schiebe, ich stille, aber gebe nicht auf, zu versuchen, dass mein Minimädchen auch lernt, den Schnuller zu akzeptieren, wenn das Nuckeln nicht aufhören will. Ich hole meinen Minijungen mal früher, mal später von der Kita ab (Elternzeit macht’s möglich), ich lasse mir von Großeltern helfen (wieder: welch Luxus!), ich koche Brei und verwende manchmal Gläschen. Am Wochenende gibt es für den Minijungen mittags häufig Nudeln, in die ich alibimäßig noch schnell ein paar Erbsen streue, die von ihm dann sorgsam wieder herausgepickt werden. Ich kaufe “bio” und doch wieder nicht, wenn mir der Weg zum Biomarkt mal zu weit scheint. Ich glaube daran, dass manches Kind schlafen erst lernen muss und jedes es kann. Es lernen, meine ich – wenn die Eltern das möchten. Aber für mich beinhaltet Schlafen erlernen nicht, das Kind dabei allein weinen zu lassen, das schiebe ich noch schnell hinterher. Ein wichtiger Punkt für viele, für mich auch.
(Bestimmt schreibe ich in Zukunft noch über das Schlafen. Nichts bewegt unsere Gemüter doch mehr als unsere schlafenden oder nichtschlafenden Kinder…) Vor allem aber bin ich eine Mutter, die von ihren Kindern gerührt und begeistert ist. Und sehr verliebt in sie. Jeden Tag. Okay, fast jeden.
Ich schreibe also vorwiegend über Hübsches und Dekoratives, weil es zwar belanglos scheint, aber doch nicht ist und mir so viel Freude macht. Und ab und zu schreibe ich einen Artikel, der in die Kategorie “Was für eine Mutter ich bin” passt. Damit ihr wisst, wer hier schreibt. Und überlegen könnt, ob ich zu euch passe. Ich freue mich, wenn ihr das für euch positiv entscheidet und euch von mir inspirieren lassen möchtet.
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