blogeintrag vom 18. April 2016 - Kategorie: Muttersein.

Der Weg zum durchschlafenden Kind

Schlafen lernen – wie der Weg zum Durchschlafen meine Mutterschaft veränderte und wie es auch bei euch klappen wird  (Teil #2 von 3)

Am vergangenen Donnerstag habe ich dir hier unsere persönliche Geschichte zum Thema Babyschlaf erzählt. Ich wollte damit ein bisschen erläutern, warum wir vor dem Hintergrund unserer ganz persönlichen Erfahrung nicht länger an den bekannten Glaubenssätzen „irgendwann wird er schon von alleine durchschlafen“ festhalten konnten oder wollten. Weil ich keine Kraft mehr hatte. Und wir etwas ändern mussten und dies dann auch taten. Was das war, erzähle ich dir jetzt und am Mittwoch .

Welche drei wichtigen Expertenratschläge zur Kindererziehung uns maßgeblich dabei geholfen haben, unserem Kind das Schlafen beizubringen und warum auch du sie kennen solltest

Es gibt natürlich keinen bekannten Ratgeber oder kein großes Forum, wo ich mich nicht informiert habe. Letztlich vertraute ich auf Jesper Juul und Remo Largo. Viele Mütter können sich wohl mit ihnen anfreunden. Denn sie sind nicht gerade die Hardliner strenger Erziehung entgegen den Interessen der Kinder. Und ich habe mir auch persönliche professionelle Hilfe geholt. Von einer Kleinkindpsychologin. Einer wunderbaren, liebevollen und erfahrenen Frau, die mir der Zufall beschert hat. Ab und zu schob sie mich und unsere Schlafsorgen dazwischen. Und so habe ich versucht, von diesen drei mir vertrauenswürdig und fähig scheinenden Experten zu lernen. Und aus dem habe ich – und das sage ich klar und offen dazu – mein eigenes „Konzept“ gemacht. Dort sind auch weitere Informationen und Ansätze eingeflossen, aber im Wesentlichen waren es diese drei Quellen, auf denen unsere Vorgehen maßgeblich basiert.

Bevor ich im Folgenden erläutere, wie wir mit unserem Minijungen vorgegangen sind, drei wichtige Aspekte vorweg. Grundsätzliches, das mich täglich begleitet, in allem, was ich erziehungsseitig tue. Dinge, die nämlich gerade dann von Bedeutung sind, wenn du deinem Kind etwas so Wichtiges beibringen möchtest, wie durchzuschlafen.

Halte die Tränen deines Kindes aus
Kinder weinen. Oft. Sie weinen, wenn etwas schmerzt, wenn sie einen Wunsch nicht erfüllt bekommen, wenn sie ärgerlich sind… Aus unzähligen Gründen. Das ist beim Schlafen und ins Bett gehen nicht anders. Ein Kind nimmt nach allem was ich gelesen, von der Therapeutin gelernt und selber erlebt habe, keinen Schaden, wenn es in Anwesenheit (!) der Eltern im Prozess des Schlafen-Lernens auch Tränen vergießt. Es ist in den Köpfen vieler Mütter wegen der bekannten Negativ-Ratgeber aber vielleicht so abgespeichert. Bei mir war das zumindest so. In diesen Ratgebern wird ja empfohlen, entgegen dem eigenen Instinkt zu handeln und das weinende Kind dabei – wenn auch nur vorübergehend – sich selber zu überlassen. Das finde ich nicht richtig und wir haben das daher auch nicht so gemacht.

Unser Minijunge hat am ersten Abend der Schlaflernphase auch geweint. Weil er zunächst nicht in seinem Bett liegend einschlafen konnte, denn er war es ja so gewöhnt, von uns in den Schlaf getragen zu werden. Das wollten wir aber von nun an nicht mehr machen. Damit er lernte, auch ohne diese Hilfe einzuschlafen. Also weinte er. Und wir waren für ihn da, die ganze Zeit. Saßen an seinem Bett und haben getröstet. Und waren uns gefühlsmäßig sicher, ihm damit nicht zu schaden, die Tränen zu begleiten, aber nicht dadurch sofort zu stoppen, dass wir ihn in den Schlaf trugen.

Vermeide jegliches Hin und Her
Stell’ dir vor, du hast ein Baby, das sich nicht gern wickeln lässt. Du legst dein Baby auf den Wickeltisch und es beginnt, zu weinen. Du nimmst es hoch, beruhigst es, legst es wieder hin. Es weint wieder. Du wiederholst das Hochnehmen und Beruhigen. Immer wieder folgen danach Tränen. Und mit jedem Hochnehmen wird das Weinen stärker, das Baby lauter. Denn jedes Mal wenn du dein Kind auf den Arm nimmst, versteht es: „Ach, gut. Mama hat begriffen, dass ich nicht gern gewickelt werde. Und jetzt lässt sie es sein und wir können andere Sachen tun, die mir gefallen“. Und jedes Mal ist die Enttäuschung groß, wenn du dein Baby dann doch wieder auf den Wickeltisch zurücklegst und es erkennt, dass nun doch gewickelt wird. Gerade noch hatte es ja die Hoffnung, dass du eingesehen hättest, dass es das nicht wolle.

Beim Schlafen lernen ist es tatsächlich ähnlich. Du legst dein Kind wach in sein Bett, sitzt mit ihm und sagst, dass es schlafen soll. Es beginnt vielleicht, zu weinen oder anders sein Unwohlsein auszudrücken, ist unruhig, steht im Bett auf (wenn es schon groß ist). Du nimmst es hoch, tröstest es, legst es wieder hin. Es beginnt sofort oder kurz danach erneut, zu weinen… Das Kind ist verwirrt. Was ist denn nun? Soll ich jetzt alleine einschlafen oder darf ich bei Mama im Arm bleiben?

Ein großes Kind, das schon steht oder läuft, sollte man ruhig, aber bestimmt wieder in sein Bett zurück legen und mit kurzen Worten bekräftigen, dass es liegen bleiben solle. Und natürlich Geborgenheit geben und vermitteln durch Anwesenheit, Berührung…

Es ist also sehr wichtig, in seinem Tun entschlossen zu sein und danach zu handeln. Zum Wohle des Kindes, nicht aus unnötiger Strenge oder Unnachgiebigkeit.

Gib deinem Kind halt
Manche Kinder brauchen sehr viel Halt. Kinder, die sensibel sind, ganz besonders. Starke, unumstößliche Grenzen zu haben, zu leben, aufzuzeigen, nicht nachzugeben – all das ist Halt geben. Mein „großes“ Kind ist ein solch sensibles Kind. Ist er auffallend „schwierig“, anstrengend, ständig weinerlich, muss ich überlegen: wie kann ich ihm mehr Halt geben? Was muss ich ändern, damit er wieder unbeschwert sein kann? Er macht es mir ziemlich leicht, zu erkennen, wann ich handeln muss. Geht es ihm nicht gut, regiert der Terror das Haus. Es wird geschrien, manchmal gehauen und vor allem den ganzen Tag geweint. Oft fast ohne erkennbaren Grund. Dann denke ich nach, woran das liegen könnte. Und seit ich das tue, habe ich immer etwas gefunden, was ich ändern muss, bzw. wir als Eltern. Und immer wurde es dann besser, wenn wir etwas Wichtiges veränderten. Und sehr oft war das vor allem dies: vermeintlich „streng“ sein; oft und sehr klar nein sagen, wenig(er) reden, klare, kurze Ansagen machen, aber keine Ausnahmen, kein „ach komm, na gut“. Zumindest nur sehr selten. Und Schwupps wurde es wieder besser und schon musste ich für eine Weile nicht mehr ganz so streng sein, weil er es nicht mehr einforderte. Und irgendwann geht es aber wieder los und dann ist das mein Reminder. Tu etwas.

Wie gesagt – nicht jedes Kind ist besonders sensibel und nicht jedes Kind schläft so auffallend schlecht, dass der Handlungsbedarf so groß ist. Bei uns aber war das so. Und was zunächst mit dem Schlafen lernen begann, wurde ein ganzes Erziehungscredo. Eine Erziehung nicht nur mit Liebe (natürlich mit Liebe, ganz viel davon!), aber auch mit ganz viel Halt. Es begleitet unser Leben als Eltern – die Erkenntnis, dass wir unser Kind führen müssen und dass das zwar nicht immer leicht ist oder immer Spaß macht, aber das, was danach kommt, dafür umso mehr: Ein glückliches, fröhliches, ausgeruhtes und geborgenes Kind. Und alles begann mit dem ersten Abend unseres Schlaflernprozesses im Ferienhaus Italien, als er in seinem Bettchen lag und weinte, die Hand seines Vaters haltend, und danach plötzlich binnen weniger Tage einfach so durchschlief.

Ich glaube, er atmete damals durch: „Endlich handeln sie. Endlich darf ich mich ausruhen. Endlich muss ich nicht mehr alle zwanzig Minuten aus dem Schlaf hochschrecken und dann durch einen kühlen Raum getragen werden. Endlich Ruhe ich und endlich habe ich genug Kraft, ein fröhliches Kind zu sein, das krabbelt und läuft und spielt.“ Dies und vieles mehr hat er nämlich danach binnen wenigster Wochen blitzartig gelernt. Und das war nicht zufällig. Zuvor war seine Entwicklung völlig ins Stocken geraten.

Aber kurz nachdem er zu schlafen gelernt hatte, erlebten wir ein völlig verändertes Kind.

Im nächsten und letzten Teil meiner „Schlafserie“ erkläre ich euch nun, wie genau es uns gelang, dass unser Kind durchschlief. Wie es auch bei Freunden und Bekannten gelang, dass ihre Kinder schliefen. Und wie es somit auch bei dir klappen kann.

 

5 Antworten auf “Schlafen lernen – wie der Weg zum durchschlafenden Kind meine Mutterschaft veränderte und wie es auch bei euch klappen wird (Teil #2)”
  1. mona

    Klingt wunderbar sicher und gehalten voll LIEBE. Ein guter Weg. Bin gespannt auf den nächsten Teil

    Antworten
  2. Annika

    Ich bin schon sehr gespannt darauf wie es es weiter geht! Das ist nämlich gerade genau unser Thema. Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen teilst!

    Antworten
    • Liebe Annika,
      sehr gern! Ich habe mir immer vorgenommen, meine Erfahrungen eines Tages zum Thema zu machen. Es fällt mir nicht ganz leicht, das zu tun. Aber irgendwie fühle ich, dass es beim Thema Schlaf Missverständnisse gibt, die vielleicht nicht nur ich hatte, sondern andere Mütter auch. Daher hoffe ich, einigen von “euch” helfen zu können mit meinem Erfahrungsbericht und meinen Ratschlägen, die nun folgen im dritten Teil.

      Antworten
  3. Carolin

    Ein schöner Blog. Es könnte mein Kind (5 Monate) sein, über das Du schreibst. Wie lange gingen die Blähungen? Auch wir sind stündlich deswegen wach und können dann nur einschlafstillen.

    Antworten
Schreibe einen Kommentar
  • (wird nicht veröffentlicht)