blogeintrag vom 21. April 2016 - Kategorie: Muttersein.

Der Weg zum durchschlafenden Baby

Schlafen lernen – wie der Weg zum durchschlafenden Kind meine Mutterschaft veränderte und wie es auch bei euch klappen wird  (Teil #3 von 3)

Mein Blog handelt sonst vor allem von Interior Design für kleine Leute. Erziehungsthemen behandele ich hier nur selten und auch nur, wenn ich der Meinung bin, etwas mitteilen zu können, was anderen Müttern hilfreich sein kann. Ich bin keine Erziehungsexpertin, aber interessiert und informiert und inzwischen eine erfahrene Baby- und Kleinkindmutter. Alles, was ich während der Schlaflernphase gelernt habe, bezeichne ich als meine bisher prägendste Erfahrung als Mutter. Eine Erfahrung, die für mich alles verändert hat. Nämlich die Erkenntnis, dass Kinder ihre Eltern wirklich verstehen, auch wenn sie noch klein sind. Dass sie blitzschnell lernen, selbst wie man durchschläft. Dass Kinder all das aber nur können, wenn die Eltern die Führung übernehmen und sagen „So geht es nicht weiter. Wir machen das jetzt folgendermaßen…“. Und dass man dieses Verhalten ruhig auf viele andere Aspekte der Erziehung und des Zusammenlebens übertragen kann. Nein, sogar sollte!

Weil ich das so unglaublich wichtig und teilenswert finde, habe ich darüber geschrieben. In einem dreiteiligen Serienbeitrag.

Letzte Woche habe ich dir in meinem ersten Teil meine persönliche Geschichte zum Thema Babyschlaf erzählt. Ich wollte damit deutlich machen, warum wir an den bekannten Glaubenssätzen „irgendwann wird er schon von alleine durchschlafen“ nicht mehr weiter festhalten konnten oder wollten. Denn ich hatte einfach keine Kraft mehr.

Im zweiten Teil habe ich dir dann meine drei wichtigsten Expertenratschläge beschrieben, die uns dabei geholfen haben, unser Kind sehr entschlossen, überzeugt und ohne jegliches „schlechtes Elterngewissen“ durch den Prozess des Schlafenlernens zu führen.

Mit welchen Schritten es gar nicht so schwierig war, unseren Kindern in einfachen, nachvollziehbaren Schritten zu mehr Selbständigkeit zu verhelfen und sie dadurch auch durchschlafen lernten, erzähle ich dir jetzt.

Wie unsere Kinder schlafen lernten – so einfach war das bei uns

Ein bisschen Hintergrundverständnis. Es geht darum, die sogenannten „Selbstregualtionskompetenz“ des Kindes zu erhöhen. Das bedeutet hier, dem Kind zu helfen, das selbständige abendliche Einschlafen zu lernen, um dann auch in der Nacht die kurzen Wachphasen zwischen den Schlafphasen ohne Hilfe der Eltern überbrücken zu können. Wir alle werden nachts mehrfach wach, sind uns dessen aber nicht bewusst, weil wir sofort wieder einschlafen. Das genau muss ein Baby oder Kind erst erlernen. Dass es das (noch) nicht kann, liegt in aller Regel an Trennungsängsten, die grundsätzlich auch völlig richtig und begründet sind. Die Menschheit hätte sicher nicht bis in das heutige Zeitalter überdauert, wenn insbesondere kleine Babys sorglos die Nacht selig alleine schlummernd verbracht hätten. Nicht zuletzt ist ein Baby unter circa sechs Monaten aufgrund seines immensen Wachstums während dieser Zeit auf nächtliche Mahlzeiten angewiesen. Nur – gewöhnen sich Babys allzu leicht an die Einschlafhilfe „Mutter“, die mit der Mahlzeit einhergeht. Das ist auch ganz natürlich und zunächst auch so gewollt.

So beschreibt Remo Largo in seinem Buch Babyjahre, dass Eltern erst seit Beginn des Industriezeitalters damit anfingen, ihre Säuglinge unter vier Monaten längere Zeit abzulegen. Gemessen an der gesamten Menschheitsgeschichte ist das natürlich eine verschwindend kurze Zeit. Somit ist es völlig richtig und verständlich, dass ein Baby das tiefliegende Bedürfnis nach der pausenlosen Nähe seiner Mutter hat, weil nur diese Nähe dem Baby die notwendige Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.

Mit fortschreitendem Lebensalter allerdings entwickelt das Kind die grundlegende Reife, seine Selbstregulationskompetenz soweit zu erhöhen, dass es die Eltern für seinen Nachtschlaf (meist und wenn es gesund ist) nicht mehr benötigt. Dies sollte man idealerweise sukzessive begünstigen. Indem man das Kind langsam und behutsam vom engem Körperkontakt zum Einschlafen entwöhnt. Der ideale Zeitraum dafür ist nach Expertenmeinung (so auch nach Largo) zwischen vier und neun Monaten. Eine schrittweises selbständig werden ist aber manchmal leichter gesagt als getan. Besonders beim ersten Kind. Dinge passieren häufig unmerklich und schleichend. Bei meinem Minimädchen förderte ich ihre Selbständigkeit zwar bereits ab dem vierten Lebensmonat, indem ich sie abends allein einschlafen ließ. Aber aufgrund der Bauchschmerzen und ihrem sehr starken Saugbedürfnis war sie dennoch während der Nacht sehr abhängig von der Einschlafhilfe „Gestillt werden“.

Weiter erläutert Largo, dass die Diskrepanz zwischen Abhängigkeit und Selbständigkeit im Alter ab vier Monaten grundsätzlich groß ist und von den Eltern gestaltet wird. Und dass Geborgenheit durch ständige Nähe der Mutter auch beim Einschlafen nur ein Faktor ist, der dem Kind Selbstvertrauen gibt. Selbständigkeit sei ebenso wichtig für ein starkes, selbstbewusstes und damit glückliches und zufriedenes Kind. Und dies ist etwas, das ich sehr elementar finde. Wir Eltern sind also Gestalter der Selbständigkeit unserer Kinder. Wir können begünstigen, dass sie gut schlafen. Indem wir ihnen liebevoll und fürsorglich dabei helfen. Das bedeutet im Umkehrschluss für mich, dass ein bloßes Abwarten, ob das Kind irgendwann nachts nicht mehr oder weniger aufwacht womöglich nicht ausreicht. Bei uns war das auf jeden Fall so. Mit beiden Kindern. Wir wollten damit beginnen, aktiv zu gestalten. Dass vor allem der Minijung kreuzunglücklich war, war sehr offensichtlich. Und ich eben auch.

Ich denke, irgendwann sehnen sich fast alle Eltern danach, dass ihre Kinder auch in Bezug auf den Nachtschlaf selbständig werden. Wenn auch später als bei uns vielleicht. Mit neun Monaten konnte ich nicht mehr und wollte daher, dass der Minijunge ohne meine ständige Begleitung schlafen kann. Hier galt es also, anzusetzen und unserem Kind zu helfen, die notwendigen Fähigkeiten zu erwerben.

Ist man also wie wir nicht den sanften, schrittweisen Weg zur Schlaf-Selbständigkeit des Kindes gegangen – aus welchen Gründen auch immer – sind folgende Punkte meiner Recherchen und Erfahrung nach wichtig, damit das Kind nun lernt, allein zu schlafen. Ich erkläre unser Vorgehen am Beispiel unseres Sohnes, da es die extremere Situation war. Mit unserer Tochter haben wir es aber letztlich genauso gemacht.

Seid entschlossen
Ich fange also mit dem wichtigsten an. Dem A und O dieses Konzeptes. Deiner Einstellung. Du hast entschieden, dass es so wie bisher nicht mehr weitergeht. Du hast entschieden, dass dein Kind durchschlafen wird. Und folglich bist es auch du, die dies dem Kind mitteilen wird und alles notwendige tut, damit genau dies eintreten kann. Indem du dein Kind leitest, es durch den Lernprozess führst, und zwar mit großer Entschlossenheit. Kein Zweifeln, kein Versuchen. Es tun.

Auch Jesper Juul schreibt in seinem Buch „Nein aus Liebe: klare Eltern – starke Kinder“ darüber, wie wichtig dieser Aspekt ist. Denn du allein entscheidest (ab einem gewissen Kindesalter), wie dein Kind schläft und wo. Nicht dein Kind. Das bezieht sich natürlich auf alle Aspekte der Elternschaft, eben auch auf den Schlaf deines Kindes. Zum Thema Einschlafbegleitung zum Beispiel beschreibt Juul die dabei notwendige Einstellung der Mutter wie folgt: „Es ist mein Entschluss, hier mit dir zu sitzen, bis du einschläfst. Es bist nicht du, der darüber entscheidet. Wenn das gelingt, dann spürt das Kind die Substanz des Erwachsenen und kooperiert. Falls Eltern dies im Laufe der ersten Monate nicht lernen, fallen sie ihren Kindern gewissermaßen zum Opfer, womit niemand gedient ist.“

Nach Monaten des abendlichen und nächtlichen in-den-Schlaf-Tragens hörten wir von einem Tag auf den anderen damit auf. Dazu hat mein Mann dem Minijungen erklärt, dass wir möchten, dass er jetzt schlafe und dies, ohne getragen zu werden. Dass wir nicht mehr so weiter machen wollen und können wie bisher. Er hat das mit einigen wenigen Worten erläutert, aber sehr darauf geachtet, klar und betont zu sprechen.

Es mag für dich zunächst seltsam klingen, denn der Minijunge war damals ja erst neun Monate alt. Aber es ist tatsächlich das wichtigste bei der ganzen Methode. Denn Kinder verbringen große Teile des ersten Lebensjahres damit, die Eltern zu beobachten. Wie sind sie, wenn sie fröhlich, ärgerlich, streng, ungeduldig etc. sind? Das heißt, er hat intuitiv verstanden, dass mein Mann etwas Wichtiges zu ihm gesagt hat. Etwas, das unumstößlich war. Es geht also um das „Wie“ in deiner Nachricht, nicht so sehr um das „Was“. Hierzu schreibt Jesper Juul in „Nein aus Liebe: klare Eltern – starke Kinder“: „Neben dem gesprochenen Wort sind Tonfall und Körpersprache von entscheidender Bedeutung. Alle drei Elemente müssen miteinander harmonieren, wenn die Kommunikation glücken soll. … Die Worte und ihre »Musik« gehören zusammen“.

Beim ersten Mal war der Minijunge sehr verwirrt und unglücklich. Er war es ja gewohnt, in den Schlaf getragen zu werden. Nun musste er auf einer Unterlage allein liegend einschlafen. Aber schon am nächsten Tag war das anders.

Führt einen festen Tagesrhythmus ein
Falls noch nicht geschehen, führe einen festen, immer gleichen Tagesablauf ein. Wir gaben dem Tag eine klare Struktur mit festen Schlaf- und Essenszeiten. Der Tagesablauf des Minijungen war aufgrund der schlechten Nächte zu ungleich. Das haben wir geändert.

Führe ein wiedererkennbares Abendritual ein
Wir haben ein deutliches Abendritual eingeführt. Aufgrund der Bauchschmerzen haben wir ihn abendlich warm gebadet. Danach habe ich ihn gestillt und ein Schlaflied gesungen. Anschließend habe ich mich verabschiedet und mein Mann übernommen. Nach der oben genannten klaren Erklärung üb r das, was nun folgen würde, hat mein Mann ihn in sein eigenes Gitterbett gelegt.

Haltet euch anein Ort, ein Elternteil“
Wichtig ist, dass immer derselbe Elternteil die Schlaflernzeit begleitet. Ein Wechsel verwirrt das Kind. Dasselbe gilt auch für Ortswechsel. Mit der Schlafübung dann beginnen, wenn kein Ortswechsel aufgrund von Urlaub etc. ansteht. Das ging bei uns nicht, wir waren ja verreist, als wir den Lernprozess begannen. Geklappt hat es trotzdem, auch wenn es zurück zu Hause einen interimsweisen Rückfall von ein bis zwei Tagen gab

Stellt eurem Kind ein eigenes Bett in einem eigenen Schlafraum zur Verfügung
Das Schlafen im eigenen Bett und einem eigenen Raum ist sicher eine wichtige Grundvoraussetzung für das Gelingen des Durchschlaflernprozesses. Bei wem das Familienbett auf Dauer gut funktioniert, der hat wahrscheinlich auch gar keinen Grund, dem Kind auf die hier beschriebene Weise das Schlafen beizubringen. Wer aber völlig fertig, übermüdet, schlapp etc. ist, weil es mit dem Familienbett oder dem Beistellbett nicht gut klappt, sollte davon vermutlich Abstand nehmen.

Ja, dieser Punkt fiel mir zunächst selber echt schwer. In meinem Wunschzustand hätte der Minijunge mindestens ein Jahr lang bei uns im Bett geschlafen. Aber dieses Ideal gab es ohnehin nicht. Mein Mann war längst „ausgezogen“ und ich vegetierte nachts wach in unserem Bett vor mich hin. Und der Minijunge auch. Drei Stunden lagen wir jede Nacht wach. Jede einzelne Nacht. Was für ein Horror, fand ich. Also – der Mini wurde ausquartiert. Fiel mir schwer. Ging aber nicht anders, wie der Erfolg schnell zeigte.

Führt ein Schlafprotokoll
An vielen Stellen in dem Buch „Babyjahre“ empfiehlt Remo Largo den Eltern, ein Schlafprotokoll zu führen. Er beschreibt es als eine zuverlässige Methode, das Schlafbedürfnis und den Schlafrhythmus des Babys/Kindes einschätzen zu lernen. Empfohlen wird es sowohl in den Kapiteln zum Säuglingsschlaf als auch für dem Babyalter entwachsene Kleinkinder. Wir haben ein Schlafprotokoll geführt, um erkennen zu können, ob und wie sich die Situation verändert. Das hat uns geholfen, zu erkennen, dass sich sofort etwas tat, auch wenn wir die ersten Tage noch weit von einer ruhigen Nacht entfernt waren. Außerdem haben wir so erkannt, dass unser Kind tagsüber zu lang geschlafen hatte und dies ein Grund für das nächtliche Wachliegen war (siehe dazu auch unten unter „Geduldig sein“).

Begleitet das Einschlafen
Dein Kind soll im Laufe des Prozesses lernen, allein einzuschlafen. Kann es das nämlich abends beim ins Bett gehen, kann es das im Laufe der Zeit auch, wenn es während der Nacht wird. Ein ganz, ganz wichtiger Punkt, der aber logisch ist, denke ich.

Der Minijunge wurde also wach in sein Bett gelegt. Als Einschlafhilfe hatte er zusätzlich zur Anwesenheit seines Vaters und seiner Berührung außerdem noch seinen Schnuller. Das hat ihm sicher geholfen. Am ersten Abend sollte der Minijunge durch bloßes Hand halten einschlafen statt wie bisher in den Schlaf getragen zu werden. Das schien ihm offenbar erst unmöglich. Ging dann aber ganz schnell binnen 2 Tagen. Beim ersten Mal hat er geweint, beim zweiten Mal schon nicht mehr.

Wichtig ist nun, die Einschlafhilfen von Abend zu Abend nun sukzessive zu verringern. Bei uns hat mein Mann am ersten Abend die Hand gehalten, bis er einschlief. Am nächsten Tag nur bis kurz vorm Einschlafen, am übernächsten Tag hat er nur neben dem Bett gesessen, der Kleine konnte ihn dabei sehen. Am darauffolgenden Tag hat mein Mann sich in das neben dem Gitterbett stehende Elternbett gelegt, der Minijunge konnte ihn dort nicht sehen, wusste aber, er war da. Und nach ca. sieben Tagen konnte mein Mann aus dem Raum gehen, noch während der Minijunge wach war. Und er hat nicht geweint. Nach der allerersten Nacht hatte er überhaupt kein Mal mehr geweint.

Lasst euer Kind in seinem Bett – auch bei anfänglich anhaltenden nächtlichem Aufwachen
Dein Kind wird anfangs natürlich weiterhin nachts aufwachen. Hierbei sollte es nicht aus dem Bett genommen werden. Natürlich sollst du es beruhigen, Einschlafhilfen anbieten (Hand halten, Schnuller, Singen, Summen etc.). Es hochzunehmen, wäre genau jenes „Hin und Her“, was ich in Teil zwei meiner Schlafserie beschrieben habe. Verwirre dein Kind nicht. Sei eindeutig und klar, konsistent. Sei für dein Kind da, tu’ was ihm – im Bett liegend – am besten hilft und am meisten Sicherheit gibt. Und teile ihm mit, dass du es nicht hochnehmen wirst. Es muss wissen, dass du entschlossen bist und weißt, was du tust. Das vermittelst du ihm auf diese Weise.

Seid geduldig
Bei Remo Largo bekam ich endlich die Antwort, warum mein Kind nachts so lang wach lag. Drei Stunden lang jede Nacht und das über Wochen. Er war nicht müde. Ja, klar. War mir in dem Moment auch aufgefallen. Konnte aber aus meiner Sicht irgendwie nicht sein. Nicht mehr müde nachts um halb drei? Genau so war es aber leider. Weil er nachts so schlecht schlief und tagsüber viel unzufrieden und sehr weinerlich war, schoben und trugen wir das Kind tagsüber viel. Dann schlief er anhaltend und gut. Und einfach zu viel. Daher war er zwischen zwei und fünf Uhr morgens schlichtweg fit. Der Schlafbedarf eines Kindes ist eine feste Größe und nicht extern beeinflussbar. Es gilt, herauszufinden, wie viel Stunden das insgesamt sind. Die Verteilung zwischen Tag und Nacht allerding ist veränderbar. Und genau da setzten wir an.

Ein neuer Tag-Nacht-Rhythmus musste her. Die bloße Einführung eines solchen verändert aber nicht von heute auf Morgen. Largo erklärt, dass das an den sog. „zirkadianen Rhythmen“ läge. Der Körper benötigt – ähnlich einem Jetlag – mehrere Tage, um sich an einen veränderten Rhythmus zu gewöhnen. Je nach Veranlagung sind das sieben bis vierzehn Tage. Bei unserem Minijungen waren es nur sieben, das war einfach Glück.

Und das ist es auch schon. Unser Weg zum durchschlafenden Kind – so einfach eigentlich. Und doch ist es eine große Aufgabe, das war es auch für uns. Beide Male.

In Bezug auf den Babyschlaf schließe ich aus meinen Recherchen und meiner Erfahrung, dass alle Kinder lernen müssen, wie man durchschläft. Aber viele tun es sicher unmerklich und von ganz allein. Ohne Protokolle und besondere Übungsanstrengungen. Es geschieht einfach. Weil die Eltern es begünstigen und die Kinder es zulassen. Irgendwann. Und solange das „irgendwann“ für Kinder und Eltern in vertretbarer Weise aushaltbar ist, kann das ja auch mit drei, vier, fünf Jahren erst oder auch noch später sein. Aber nicht, wenn man nicht mehr kann. Und man weiß, dass man nicht mehr kann, wenn man es nicht mehr kann. Du weißt es. Wenn du diesen Artikel liest und denkst: „Mir geht es so, ich muss etwas tun“. Dann wende an, was ich beschrieben habe. Nein, ich bin keine Psychologin, ich kann euch nichts versprechen oder garantieren oder beweisen. Ich kann nur sagen: Ich denke, dass es auch bei dir klappt. Wenn du es nicht „mal versuchst“, sondern machst. Wirklich machst. Es klappt.

Ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass es uns nicht schwerfiel, diesen Weg zu gehen. Bei beiden Kindern nicht. Denn wir hatten verinnerlicht, dass wir ihnen halfen. Sie haben natürlich nicht gleich verstanden, dass das Hilfe war. Beide Kinder waren in der ersten Nacht verwirrt, der Minijunge mehr als das. Aber sie haben uns vertraut. Denn sie kannten uns ja schon acht bzw. neun Monate, im Falle des Minijungen. Neun Monate, in denen wir immer sofort auf seine Bedürfnisse reagiert haben. Und irgendwann dachte er wohl: „Na gut, dann schlafe ich jetzt. Papa wird schon wissen, was er macht.“ Und ja, ich bin völlig überzeugt, unsere Kinder nicht traumatisiert zu haben.

Das Bedürfnis nach Schlaf gehört zu den absoluten Grundbedürfnissen eines Kindes. So schreibt auch Jesper Juul in seinem Buch „Nein aus Liebe: Klare Eltern – starke Kinder“, dass es die Hauptaufgabe von Eltern sei, die wichtigen Bedürfnisse des Kindes nach Nähe, Sicherheit, Fürsorge, Nahrung, Kleidung und Schlaf zu erfüllen. Ich sah und sehe es daher als meine Aufgabe an, das sich damals allnächtlich wiederholende Drama zu unterbrechen und mein Kind zu einem erholsamen Schlaf zu verhelfen.

Nun, was meinst du? Hast du Erfahrungen gemacht, die du erzählen möchtest? Eine Meinung zu meinem Text? Ich bin gespannt, darüber zu lesen. Hinterlass’ mir gern deinen Kommentar!

6 Antworten auf “Schlafen lernen – wie der Weg zum durchschlafenden Kind meine Mutterschaft veränderte und wie es auch bei euch klappen wird (Teil #3 von 3)”
  1. Hallo, das klingt ziemlich gut und machbar was ihr da durchgezogen habt. Wir haben auch bei beiden Kids recht lange gewartet. Bei der großen haben wir Nächte in ihrem Zimmer verbracht, stundenlang gesungen und so weiter. Sie wollte /konnte nicht allein schlafen
    Mit 2,5 haben wir es dann über Hörspiel und Belohnung geschafft. Sie hört auch jetzt mit 6 noch eine Geschichte zum runterkommen und einschlafen und schläft ansonsten seit sie 2,5 ist nachts alleine ein und in der Regel auch durch.
    Der kleine ist jetzt 21 Monate alt, schläft gut ein, wenn ich bei ihm im Zimmer bin, aber er steht nachts auf und kommt zu uns rüber. Mal um 22,mal um 2 Uhr. Da er schon keine Gitter mehr am Bett hat (ins Gitterbett hat er sich partout nicht mehr legen lassen) und die Türen auch schon aufmachen kann, kann er auch einfach zu uns kommen.
    Wir hätten gern, dass er in seinem Bett bleibt, aber wenn er kommt, wenn wir schon schlaf, lasse ich ihn trotzdem zu uns ins Bett. Wir schlafen dann halbwegs gut, aber auf Dauer müssen wir das echt ändern.
    Mal sehen, was sich von deinen Tipps hier anwenden lässt ☺️
    Viele Grüße
    Jule

    Antworten
    • Liebe Jule, danke für deinen Kommentar. Schön, dass ihr mit der Kleinen einen schönen “Einschlafweg” gefunden habt. Ich glaube, wenn alles ganz gut läuft und man “seinen” Weg zumindest weitgehend gefunden hat, sind richtige Programme & Methoden wie meine tatsächlich nicht so nötig. Aber vielleicht ist ja ein Tipp dabei für euch – damit der Kleine irgendwann gern und daher oft bei sich im Bett bleibt. Liebe Grüße

      Antworten
  2. Steffi

    Liebe Christine, deine Methode leuchtet einem natürlich ein.
    Wir haben selbst auch einen, wie wir ihn liebevoll nennen, kleinen Terroristen;) er ist jetzt auf den Tag genau ein Jahr, kommt in einem zweistunden Rythmus, will also noch zwischen 6& 8 mal in der Nacht gestillt werden. JA, natürlich liegt er in unserem Bett und JA es ist mittlerweile ehrlich gesagt auch ziemlich gefährlich für ihn, gerade beim Mittagsschlaf, wenn Mama nicht bei ihm liegen bleibt.
    Ohne stillen kein schlafen oder ohne stillen Geschrei… Es ist zum Mäusemelken. Dass er jemals in sein eigenes Bett/ Zimmer geht, daran ist kaum zu glauben!
    Da wir diesen Zirkus jetzt schon ein ganzes Jahr mitmachen u ich seit einem Jahr keine Tiefschlafphase mehr erreicht habe, brauche ich an dieser Stelle von meinem Zahnfleisch nichts zu erzählen.
    Deine Geschichte macht mir großen Mut, denn HIER muss sich dringend auch etwas ändern!
    Viele Grüße:)

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    • Liebe Steffi, oh je. Wir nennen unseren Minijungen tatsächlich auch oft liebevoll kleinen Terroristen, kein Scherz.
      Und entschuldige, dass ich dir so spät antworte, uns hat hier ein ganz fieser Infekt niedergestreckt. Nun aber! Tut mir leid, dass ihr es in dieser Hinsicht so schwer habt. Ich weiß, wie belastend das ist. Aber ich freue mich sehr, dass ich dir Mut machen konnte. Ich bin wirklich sehr davon überzeugt, dass es auch bei euch klappen wird. Ich hoffe, ihr findet die Kraft, die Veränderung anzugehen. Ganz herzliche Grüße an euch!

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  3. Meta

    Liebe Christine,
    hab ganz herzlichen Dank für deinen Bericht. Ich habe bei meinem Baby die Methode des sanften Ablösens umgesetzt. Das Einschlafstillen habe ich durchs Tragen ersetzt und dann habe ich das Tragen gegen das allein im Bett einschlafen abgelöst. “Dazu (trägt man das Baby, bis es müde ist und ) legt das Baby im letzten wachen Moment vor dem Einschlafen sanft ab. Bei Protest wird es sofort wieder aufgenommen”, beruhigt und je nach Stress – Level des Kindes, dann wieder abgelegt oder man übt beim nächsten Schlaf weiter. Das hat bei uns dazu geführt, dass der Protest immer kürzer als der vorherige war und es nun tatsächlich alleine im Bett einschläft. “Diese Methode verbessert im Übrigen auch die Fähigkeit, allein in die nächste Schlafphase zu finden und verringert damit häufig die nächtliche Aufwachfrequenz.” Die Zitate und die Idee habe ich von dieser Seite hier:
    http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/search?q=einschlafen+

    Ich hatte aber auch mehr Zeit zum Üben und war nicht in einer so dringenden Handlungssituation wie du. Ich finde es super, dass ihr Nähe und Körperkontakt permanent gegeben habt. Unglaublich, dass der Protest nur in der ersten Nacht stattfand. Hielt er denn sehr lange an? Und wie tröstet ihr, wenn die Kleinen nachts unter starken Bauchschmerzen weinen? Geht das auch ohne Tragen?

    Ich denke auch, dass, wenn ein Baby neun Monate lang gelernt hat, dass seine Eltern immer für es da sind, man als Eltern den Protest ruhig aushalten kann und man es spürt, wenn dieser in “Stress” umschlägt und man das Üben abbrechen muss. Interessanterweise findet in den Gehirnen der Babies um den 10. Monat herum eine Entwicklung statt, die das alleine (Wieder-) Einschlafen auch kognitiv viel einfacher macht. Daher ist der 10. Monat zum Üben ganz gut geeignet.
    Viele Grüße,
    Meta

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    • Liebe Meta, vielen Dank für deinen Kommentar. Es gibt sicher unzählige von Ansätzen und in vielen Familien klappt es bestimmt auch mit beinahe unbemerkten Entwöhnungsmethoden – wie du es beschreibst. Die Methode kenne ich und ich habe es auch versucht. Toll, dass es bei euch aber auf diese Weise geklappt hat. Inhaltlich geht es ja in dieselbe Richtung – das Baby soll eigenständig von einer Schlafphase in die nächste gelangen. Generell denke ich, als Eltern sollte man immer den Weg gehen, den man für richtig hält. Und bei mir hat es beim Thema “die bewusste Selbstregulationskompetenz stärken” einfach “KLICK” gemacht. Endlich hatte ich verstanden, warum keine Entwöhnungsmethoden etc. griffen. Und dann war alles ziemlich leicht. Der große Zuspruch von Müttern, die mir auf meine Artikel hin geschrieben haben, zeigt mir, dass es auch anderen Familien ähnlich geht wie mir – “nichts” klappt, das Kind wacht und wacht. Ich hoffe, mit “unserem Weg” einigen helfen zu könne, die wie wir vieles versucht hatten, aber nichts half. Danke nochma & ich schicke euch liebe Grüße!

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